Ich war noch nie ein Sommerkind.

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Du? Du rennst den letzten Sonnenstrahlen hinterher. Die letzten warmen Strahlen auf der Haut und die klebrige Sonnencreme, die so verlockend nach Sommer riecht. Du kriechst den alten Polaroid Bildern hinterher, eines schöner als das andere. Weißt du noch? In diesem viel zu engen, muffigen Fotoautomat. Und du? Voller Euphorie. Du hättest dein Glück am liebsten in die Welt hinausschreien können. Jeder sollte von deinem Glück wissen. Alle anderen Orte schienen interessanter, das Fernweh in dir schrie auf einmal ganz laut. Und du warst froh, wenn du weg warst. Draußen in Gesellschaft. An den schönsten Orten, beim Beobachten der tollsten Sonnenuntergängen und bei den längsten Nächten mit den schönsten Lagerfeuer.

Und jetzt? Du läufst, ganz unbeeindruckt. Die schönsten Herbstfarben um dich herum, ein Baum schöner als der andere. Das Rascheln der einzelnen Blätter ist deutlich zu hören, aber irgendwie nicht für dich. Du dagegen, du denkst an all die Erlebnisse im Sommer. Die vielen Reisen. Die schönen Momente mit Freunden. Und daran, dass Herbst wird. 

Und ich? Ich stehe im wärmsten Mantel hier. Eingemummelt, mit dem Taschentuch in der linken Jackentasche und der Mütze von vor zwei Jahren auf dem Kopf. Als ich meinem Hund Alfi ein „Komm wir gehen Gassi“ entgegenrufe, schaut er mich genau so verwirrt an, wie ich selbst über mich verwirrt war, dass ich überhaupt hinausgehe. Aber letztendlich entscheidet er sich doch noch mir hinterher zu tapsen. 
Und wir laufen, ganz unbeeindruckt. Die schönsten Herbstfarben um uns herum, die frischeste Luft und die schönsten Sonnenstrahlen. Superlativ also. Kaum sind wir wieder zu Hause, entschied ich mich doch noch einen Kakao zu trinken, mit viel Sahne und Marshmallows, so mag ich das am liebsten. Schon wieder schaut er mich an, als könnte er jede Kalorie des Kakaos einzeln auf meinen Hüften sehen. Manchmal frag ich mich, was bei ihm im Kopf so vorgeht. 
Oder bilde ich mir das dann doch nur ein? 
Und kurz merke ich, dass ich Zeit habe. Ich denke über (sinnlose) Fragen nach und habe Zeit meine liebste Zeitung zu durchstöbern. Ich habe auf einmal Zeit. 
Naja, irgendwie nicht. Mir gehen tausend Dinge durch den Kopf, die eigentlich erledigt werden müssen. Dringend erledigt werden müssen. Weil ich weiß, ich kann nur unter Druck arbeiten. 
Aber irgendwie fühlt sich das gerade so an, als wäre da nichts zu erledigen. Und das fühlt sich schön an. Und ich glaube, ich, nein, wir vergessen das manchmal zu schnell. Wir machen uns aus Hobbys Verpflichtungen, schaufeln uns den Terminplaner voll und fühlen und komischerweise faul, wenn wir das nicht tun. Also ich zumindest. Ich schaue momentan phlegmatisch den Studienkatalog durch und studiere fast schon jeden einzelnen Studiengang und die Städte, in denen man diesen nachgehen kann. Was ich manchmal dabei vergesse? Pause zu machen. 

Es regnet seit Tagen. Das laute Tropfen der Regentropfen auf meinen Dachfenster lassen mich nicht schlafen. Und das ist gar nicht schlimm. Ich google die sinnlosesten Fragen und die schönsten Reiseziele. Ich schenke den neuesten Status auf WhatsApp meine Aufmerksamkeit und frage mich erneut, wieso manche ihr komplettes Leben und ihre Sprüche gekonnt mit Smiley schmücken müssen. Und warum sie jeder einzelnen Erinnerung hinterherlaufen müssen. 
Fängt nicht jedes Jahr neu an?
Kommt nicht immer wieder der Sommer?
Kommt nicht immer wieder der Herbst? 
Und ich denke kurz zurück. An den Sommer. An meinen Sommer. Was ich merke? 
Ich habe viele schöne Erinnerungen, ich bin viel gereist, habe viel gesehen. Ich habe jede Sekunden in den letzen Schulwochen genossen. Ich denke gerne zurück, an die ganzen Erlebnisse im Sommer. 
Es war schön, aber: Ich war noch nie ein Sommerkind.
Ich dagegen verliere mich im Grau. Schaue Blättern begeistert beim Herunterfallen zu und garniere meinen Kakao mit Sahne und Marshmallows, gekonnt für Instagram. Ich bleibe gerne ein paar Stunden länger wach, nur um den Geruch meiner liebsten Kerze ein bisschen länger wahr zunehmen. Ich folge gerne den Oversized Trends und trage dicke Boots. Ich fotografiere gerne jeden einzelnen herbstlichen Weg und lese gerne melancholische Blogs. 
Was ich gelernt habe? 
Der Herbst ist meine Jahreszeit. 

Denn ich war noch nie ein Sommerkind. 

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